Rohstoffe sind nicht gleich Gold: Eine Anlageklasse mit grossen Unterschieden
Gold und Silber zählten 2025 zu den klaren Gewinnern an den Finanzmärkten. In Schweizer Franken gerechnet erzielte Gold eine Performance von 44 Prozent, Silber sogar von 116 Prozent. Dennoch schnitten klassische Rohstoffanlagen insgesamt deutlich schwächer ab. Darauf weist die St.Galler Kantonalbank in ihren aktuellen Investment Views hin.
Während Edelmetalle stark zulegten, verzeichneten bekannte Rohstoffindizes teils erhebliche Verluste. Der CRB Commodity Index verlor 12,0 Prozent, der Rogers International Commodity Index 6,5 Prozent. Lediglich der Bloomberg Commodity Index konnte mit einem Plus von 1,2 Prozent knapp positiv abschliessen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Gewichtung: Im Bloomberg-Index machen Gold und Silber zusammen rund 19 Prozent aus, während sie in anderen Indizes kaum eine Rolle spielen.
Energie und Landwirtschaft belasten klassische Rohstoffindizes
Dominiert werden viele Rohstoffindizes von Energieprodukten. Erdöl und verwandte Energieträger weisen häufig ein Gewicht von 30 bis 40 Prozent auf. Im Jahr 2025 fiel der Erdölpreis jedoch um fast 20 Prozent. Auch Landwirtschaftsprodukte, die ebenfalls stark gewichtet sind, entwickelten sich mehrheitlich negativ. Diese Kombination erklärt, weshalb viele Rohstoffanlagen trotz des Goldbooms enttäuschten.
Rohstoffe als anspruchsvolle Anlageklasse
Rohstoffe gelten als komplexe Anlageklasse. Bereits die Wahl der Benchmark hat einen entscheidenden Einfluss auf das Anlageergebnis. Hinzu kommen operative Herausforderungen in der Umsetzung: Viele Rohstoffe verfügen – im Gegensatz zu Gold und Silber – über keinen Kassamarkt und werden über Futures-Kontrakte abgebildet.
Da eine physische Lieferung für Investoren in der Regel nicht infrage kommt, müssen auslaufende Futures regelmässig in länger laufende Kontrakte gerollt werden. Dabei entstehen häufig sogenannte Rollkosten, die die Rendite über die Zeit spürbar belasten können.
Diversifikation bleibt ein zentrales Argument
Trotz der Komplexität sieht die St.Galler Kantonalbank gute Gründe, Rohstoffe als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios zu betrachten. Industriemetalle und Energierohstoffe reagieren stark auf Konjunktur- und politische Entwicklungen, während Landwirtschaftsprodukte stärker von Wetter- und Erntefaktoren abhängig sind. Edelmetalle wiederum werden insbesondere in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit nachgefragt.
Damit diese Diversifikationseffekte zum Tragen kommen, reicht eine geringe Beimischung jedoch nicht aus. Eine Allokation von mindestens zehn Prozent sei erforderlich, was jedoch eine bewusste Auseinandersetzung mit Risiko, Gewichtung und Währungsabsicherung voraussetze. Sinnvoll könne es zudem sein, gezielt Schwerpunkte zu setzen – etwa bei Gold oder Energie – anstatt einen breiten Commodity-Index passiv abzubilden.
Einordnung durch den CIO der St.Galler Kantonalbank
Autor der aktuellen Investment Views ist Dr. Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St.Galler Kantonalbank. Er verantwortet das Investment Center der Bank und die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von rund 12 Milliarden Franken. Zuvor war er unter anderem für das Asset Management der Schweizerischen Nationalbank tätig.
Quelle: St.Galler Kantonalbank – Investment Views vom 9. Februar 2026
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