Militärflugplatz Emmen: Heimat der Patrouille Suisse und Herzstück der Schweizer Luftwaffe
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Behörden Beruf Beschäftigung Betrieb Bildung & Arbeit business24.ch businessaktuell.ch flughafen.ch Innovation Inspiration Luzern Magazine nachrichtenticker.ch News Organisationen Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit Technologie Themen tourismus.ch Verbreitung
Mitten in der Agglomeration Luzern, eingeklemmt zwischen Wohnquartieren und Gewerbegebiet, liegt einer der wichtigsten Militärflugplätze der Schweiz. Der Militärflugplatz Emmen – offiziell bekannt unter den Codes IATA: EML und ICAO: LSME – ist Heimatbasis der weltberühmten Kunstflugstaffel Patrouille Suisse, Ausbildungszentrum für Piloten und Drohnenoperatoren, Simulatorzentrum der Luftwaffe und ab 2026 auch organisatorisch deutlich aufgewertet. Was hinter den Zäunen passiert, ist für viele Anwohnende vor allem durch den Lärm spürbar – aber weit mehr als ein Flugplatz.
Nach mehreren Vorprojekten in den 1920er-Jahren durch den Bund und die Stadt Luzern beschloss 1938 die Gemeindeversammlung von Emmen einen Beitrag von 200’000 Franken zum Bau des Flugplatzes. Per Bundesratsbeschluss wurde das Eidgenössische Militärdepartement beauftragt, in Emmen einen Militärflugplatz aufzubauen. Nach dem Bau des Flugplatzes erfolgte am 7. Juli 1939 die erste Landung. Seither hat sich der Flugplatz von einem einfachen Erdplatz zu einem der technisch anspruchsvollsten Militärstandorte der Schweiz entwickelt.
Organisation: Ab 2026 neu aufgestellt
Zum Militärflugplatz Emmen beziehungsweise dem Flugplatzkommando 7 gehören ab 2026 die Standorte Emmen und Dübendorf. Dieser ist der Fliegerbrigade 31 der Luftwaffe unterstellt. Die Zusammenführung beider Standorte unter einem gemeinsamen Kommando ist eine bedeutende organisatorische Aufwertung des Standorts Emmen.
Das Flugplatzkommando Emmen/Dübendorf vereint unter sich den Flugplatz Dübendorf sowie am Standort Emmen die Bereiche Stab, Drohnengeschwader, Ausbildungszentrum Luftaufklärung, Operationcenter, Support Flugbetrieb und Simulatoren. Auf dem Flugfeld Emmen sind insgesamt rund 1’300 Mitarbeitende tätig – davon beschäftigt das Flugplatzkommando Emmen/Dübendorf rund 180 Mitarbeitende, die sich auf beide Standorte verteilen.
Aufgaben und Flugzeugtypen
Der Militärflugplatz Emmen dient der Luftwaffe für Ausbildungs-, Trainings- und Einsatzflüge mit Kampfflugzeugen, Propellerflugzeugen und Helikoptern. Er ist Standort der Pilotenschule mit den Propellerflugzeugen PC-21 und PC-7 sowie des Ausbildungszentrums für Luftaufklärung.
Der Militärflugplatz Emmen dient für Flüge mit den Kampfflugzeugtypen F/A‑18 C/D und F-5 E/F und ist Basis der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse. Er verfügt zudem über Simulatoren für die Ausbildung auf Helikoptern, Propellerflugzeugen und Drohnen. Über das Jahr verteilt finden ebenfalls Bewegungen mit PC-6, Helikoptern und Flugzeugen des Lufttransportdienstes des Bundes statt.
Im Weiteren wird das Aufklärungsdrohnen System 15 (ADS 15) schweizweit ab Emmen eingesetzt. Emmen ist damit auch das Simulatorzentrum der Luftwaffe – mit Simulatoren für Super Puma, PC-21, Drohnen und weitere Systeme.
Die Patrouille Suisse: Heimat seit 1994
Die Patrouille Suisse ist die Jet-Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe. Die Aufgabe des 1964 gegründeten Teams ist es, die Leistungsfähigkeit, die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe im In- und Ausland zu demonstrieren. Der Militärflugplatz Emmen dient der Patrouille Suisse seit 1994 als Heimatflugplatz.
Die PS zog 1994 nach Emmen um, weil der Hunter-Flugbetrieb in Dübendorf eingestellt wurde. Es gibt gleich mehrere Gründe, warum die PS in Emmen blieb: die zentrale Lage, das Know-how der RUAG, die Nähe zum Trainingsgebiet Wangen-Lachen und die Entlastung des Militärflugplatzes Payerne. Die Patrouille Suisse fliegt ihre Vorführungen mit F-5E Tiger II in einer charakteristischen Sonderbemalung – sechs Piloten des Berufsfliegerkorps demonstrieren dabei jährlich im In- und Ausland die Präzision der Schweizer Luftwaffe.
Partner auf dem Flugfeld
Neben der Luftwaffe nutzt die armasuisse den Flugplatz für Erprobungsflüge sowie die RUAG AG für Werkflüge, insbesondere im Zusammenhang mit Unterhalts- sowie Projektarbeiten an Kampfflugzeugen und Helikoptern. Im Weiteren dient der Militärflugplatz Emmen regelmässig den Friedensförderungstruppen als Abflug- und Ankunftsort bei Kontingentswechseln.
Nebst der militärischen Nutzung wird der Flugplatz auch in geringem Umfang zivil genutzt. Es sind insgesamt 1’000 zivile Flugbewegungen pro Jahr bewilligt. Emmen ist zudem Heimatbasis der drei armasuisse-Flugzeuge: Pilatus PC-12, Pilatus PC-6 und DA42. Auch die REGA Rettungsflugwacht und Pilatus Aircraft nutzen den Platz gelegentlich.
Jährliches Ausbildungsmodul Inland (AMI)
Jedes Jahr übernimmt der Militärflugplatz Emmen für mehrere Wochen die Funktion des schweizweiten Haupteinsatz-Flugplatzes für die F/A-18 Hornet. Vom 29. Juni bis 17. Juli 2026 findet das jährliche Ausbildungsmodul Inland (AMI) mit F/A-18 Flugzeugen ab dem Militärflugplatz Emmen statt, bei dem F/A-18 C/D Hornet-Kampfjets aus Meiringen und Payerne stationiert sind und Trainingsflüge absolvieren. Grund dafür sind die jährlichen Unterhaltsarbeiten auf den beiden anderen Schweizer Jet-Militärflugplätzen.
Im Anschluss wird die Piste in Emmen vom 22. Juli bis 18. August 2026 für Unterhalts- und Projektarbeiten gesperrt. Diese rund einmonatige Pistensperre wird jährlich für Projekt- und Unterhaltsarbeiten genutzt und sorgt für eine der ruhigsten Phasen des Jahres in der Umgebung des Flugplatzes.
Nachtflugbetrieb
Auf dem Militärflugplatz Emmen finden in der Regel von Oktober bis März, Montag bis Donnerstag, rund zweimal wöchentlich Nachtflüge bis maximal 22:00 Uhr statt. Unvorhergesehene Einsätze – etwa Luftpolizeidienst mit Kampfjets, Such- und Rettungsflüge mit Helikoptern oder Aufklärungseinsätze mit Drohnen – sind ganzjährig auch ausserhalb der publizierten Flugbetriebszeiten möglich.
Lärm und Bevölkerung
Der Flugplatz Emmen liegt inmitten der Agglomeration Luzern mit rund 200’000 Einwohnern. Gegen die Lärmimmissionen besteht in der lokalen Bevölkerung ein Widerstand, welcher sich im Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen organisiert hat. Der Schutzverband reichte im Sommer 2012 eine Petition mit 5’749 Unterschriften an den Bundesrat für eine sechswöchige Sommerflugpause und eine Begrenzung des Kampfjetlärms ein. Um den Anliegen Rechnung zu tragen, beschränkt die Luftwaffe die regulären Flugzeiten auf Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr. Wochenenden bleiben in der Regel flugbetriebsfrei – mit Ausnahme von Airshows und Auslandseinsätzen.
Video-Tipp: Air Base Emmen – Offizieller Flugplatzfilm
Dieses offizielle Video des Flugplatzkommandos Emmen stellt in einer fiktiven Geschichte die vielfältigen Bereiche und Aufgaben des Flugplatzes und seiner Partner vor.
Fazit
Der Militärflugplatz Emmen ist weit mehr als ein Platz, von dem aus Kampfjets starten. Er ist Ausbildungszentrum, Simulatorzentrum, Heimat der Patrouille Suisse, Erprobungsstandort für armasuisse und RUAG und seit 2026 auch organisatorisch bedeutend aufgewertet. Für die Bevölkerung der Region Luzern bleibt er ein unvermeidlicher Nachbar – mit all dem Lärm, aber auch dem Stolz, der mit einem solchen Standort verbunden ist.
Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Soos Jozsef/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Michael Derrer Fuchs/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Michael Derrer Fuchs/Shutterstock.com
