Sechs von zehn Firmen nutzen KI: UBS-Umfrage zeigt Chancen und Risiken

Gemäss einer von UBS und dem Marktforschungsinstitut Intervista durchgeführten repräsentativen Umfrage bei rund 2500 Schweizer Firmen aus allen Segmenten kommt künstliche Intelligenz (KI) aktuell in sechs von zehn Schweizer Unternehmen zum Einsatz. „Viele Firmen nutzen KI, wenige systematisch“, erklärt UBS-Ökonom Alessandro Bee. „Nur die wenigsten Firmen setzen KI systematisch in allen Geschäftsprozessen – Entscheidungsfindung, Produktentwicklung, Prozessautomatisierung und Kundenbetreuung – ein“.

Kleine Unternehmen nutzen KI vor allem für Analysezwecke, während bei grossen Firmen die Automatisierung von Geschäftsprozessen die meistgenannte Anwendung ist. Je höher der Digitalisierungsgrad einer Branche, desto eher eignet sich das Unternehmen für den Einsatz von KI.

Produktivitätsgewinne wichtiger als Risiko, den Anschluss zu verlieren

Die Unternehmen sehen in KI im Durchschnitt eher eine Chance als ein Risiko. Firmen in stark digitalisierten Branchen können mit dem Einsatz von KI hohe Produktivitätsgewinne erzielen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, gegenüber anderen Unternehmen mit fortschrittlicheren KI-Anwendungen ins Hintertreffen zu geraten. Trotzdem betrachten stark digitalisierte Branchen (Informations- und Kommunikationstechnik sowie Finanzen) KI eher als Vorteil. Die möglichen Produktivitätsgewinne werden anscheinend höher gewichtet als die Disruptionsrisiken.

Als Chancen von KI sehen die Unternehmen die Automatisierung von Geschäftsprozessen, eine verbesserte Entscheidungsfindung und die Optimierung der Qualität. Bei den Risiken dominieren Datenschutz und Sicherheit sowie die Sorge, aufgrund von fehlerhaften Algorithmen oder Daten falsche Entscheidungen zu treffen.

Ein Drittel der Firmen ohne KI

Etwas mehr als die Hälfte der befragten Firmen möchte die KI-Nutzung in den nächsten fünf Jahren ausbauen oder KI erstmals einsetzen. „Allerdings verwendet knapp ein Drittel aller Firmen heute keine KI und plant dies auch in den kommenden Jahren nicht“, sagt UBS-Ökonom Pascal Zumbühl. „Auch wenn diese Firmen meist in wenig digitalaffinen Branchen (zum Beispiel Gesundheit oder Kultur) tätig sind, drohen ihnen Wettbewerbsnachteile, sollte sich KI zu einer Grundlagentechnologie entwickeln, wie beispielsweise der PC.“ Zu den Gründen für einen Verzicht auf KI werden bei diesen Firmen die mangelnde Eignung des Geschäftsmodells für KI und die Unsicherheit über Nutzen und Potenzial genannt.

Beschäftigungsrückgang, aber kein Kahlschlag

KI wird im öffentlichen Diskurs oft mit Ängsten eines massiven Beschäftigungseinbruchs in Verbindung gebracht. Diese Befürchtungen werden von den befragten Firmen nicht geteilt. Rund 30 Prozent der Schweizer Unternehmen, die aktuell KI einsetzen, sehen einen Beschäftigungsrückgang wegen KI, gegenüber rund 10 Prozent, die einen Beschäftigungszuwachs erwarten. Mehr als die Hälfte der Firmen prognostiziert eine unveränderte Beschäftigung. Zu diesem Umfrageresultat passt, dass zwei Drittel der Unternehmen angeben, dass KI in ihrem Unternehmen die Mitarbeitenden entlastet. Nur 10 Prozent sehen KI als Ersatz für Mitarbeitende.

Durch KI dürfte das Anforderungsprofil für Mitarbeitende anspruchsvoller werden. Die befragten Firmen erwarten in den kommenden fünf Jahren eine Zunahme des Bedarfs an Mitarbeitenden mit Qualifikationen wie IT-Kompetenzen, Kreativität, analytischen und sozialen Fähigkeiten sowie Führungskompetenzen. Da sie gleichzeitig auch eher einen Beschäftigungsrückgang sehen, bedeutet das letztlich, dass die Anforderungen an bestehende Mitarbeitende steigen. Eine Ausnahme bilden Kommunikations- und Sprachkompetenzen: Hier sehen die befragten Unternehmen künftig einen geringeren Bedarf.

Kurzfristig definiert die Strasse von Hormus den Ausblick

Der Schweizer Arbeitsmarkt dürfte 2026 denn auch weniger von KI als vielmehr von der Konjunkturentwicklung geprägt sein. Eine zeitnahe Öffnung der Strasse von Hormus würde dazu führen, dass eine Normalisierung der globalen Ölversorgung in der zweiten Jahreshälfte möglich ist und die globale Wirtschaft lediglich einen überschaubaren Schaden davonträgt. Für die Schweizer Wirtschaft prognostiziert UBS in diesem Fall ein Wachstum von 0,7 Prozent in diesem Jahr und 1,4 Prozent im nächsten. Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz dürfte erst zu Beginn des nächsten Jahres den Zenit überschreiten (Arbeitslosenrate 2026 und 2027: 3,1 Prozent).

Falls die wichtigste Öltransportroute der Welt noch länger geschlossen bleiben sollte, droht der globalen wie auch der Schweizer Wirtschaft ein deutlich stärkerer Einbruch – im schlimmsten Fall gar eine Rezession.

SNB-Zinsanstieg vorerst unwahrscheinlich

Die Inflation in der Schweiz dürfte trotz des Anstiegs der Ölpreise auf einem relativ tiefen Niveau von 0,6 Prozent verharren. Eine unterausgelastete Wirtschaft und eine tiefe Inflation rechtfertigen auch einen Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 0 Prozent. Eine Normalisierung der Geldpolitik ist aber ab Mitte 2027 möglich. Bleibt jedoch die Strasse von Hormus längerfristig geschlossen und treten Versorgungsengpässe ein, erhöht das nach Ansicht der UBS-Ökonominnen und -Ökonomen eher die Wachstums- als die Inflationsrisiken und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die SNB die Zinsen senkt.

Keine weitere Frankenstärke

Die Frankenaufwertung dürfte in den kommenden Quartalen eine Pause einlegen. Dem US-Dollar helfen die höheren US-Leitzinsen, um gegenüber dem Franken die Marke von 0.78 verteidigen zu können. Gegenüber dem Euro dürfte der Franken schwächer tendieren, wenn sich die Wirtschaft in der Eurozone erholt und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung zurückkehrt (EUR/CHF-Wechselkurs März 2027: 0.93).

 

Quelle: UBS Switzerland
Bildquelle: Symbolbild © Summit Art Creations/Shutterstock.com




    So sparen Sie Steuern!

    Erfahren Sie mehr über die Seminare der Steuersparakademie und nehmen Sie Kontakt mit Steuerexperte Philipp Stadelmann auf!

    Loading...


    Ihre Daten werden sorgsam behandelt und für die Kontaktaufnahme mit Ihnen verwendet.