Der Schweizer Franken wird wieder zum Thema: aktuelle Hinweise für die Praxis

Der Schweizer Franken hat sich zuletzt gegenüber Euro und US-Dollar etwas abgeschwächt. Entwarnung ist das jedoch nicht: Zinsentscheide, geopolitische Spannungen und überraschende Konjunkturdaten können die Richtung rasch verändern. Für Schweizer Unternehmen zählt deshalb weniger die nächste Kursprognose als ein belastbarer Umgang mit Fremdwährungsrisiken.

Die Schweizerische Nationalbank beliess ihren Leitzins im September 2026 bei 0 Prozent und erklärte zugleich, sie sei bei Bedarf zu Eingriffen am Devisenmarkt bereit. Für die Praxis bedeutet das: Der Franken bleibt ein wichtiger Preis-, Margen- und Liquiditätsfaktor. Eine saubere Bestandsaufnahme, klare Zuständigkeiten und vorab definierte Reaktionen sind wertvoller als hektische Entscheide nach starken Tagesbewegungen.

Die Lage: etwas schwächer, aber weiter empfindlich

Im September 2026 lag der offizielle Monatsdurchschnitt bei rund 0,943 Franken je Euro und 0,819 Franken je US-Dollar. Die für Oktober publizierten Umrechnungskurse der Zollverwaltung lagen mit rund 0,951 Franken je Euro und 0,822 Franken je US-Dollar etwas höher. Das weist auf eine leichte Abschwächung des Frankens hin, ist aber kein Live-Kurs und erst recht keine Garantie für die kommenden Wochen. Für Offerten und Zahlungen ist stets der konkret vereinbarte oder von der Bank abgerechnete Kurs massgebend.

Auch das wirtschaftliche Umfeld ist nicht alarmierend. Die Bundesprognose vom September rechnete für 2026 mit einem Wachstum von 1,7 Prozent und für 2027 mit 1,6 Prozent. Die jüngste Frankenabschwächung entlastet wechselkurssensible Exporte. Gleichzeitig bleiben die Inflation tief und der globale Ausblick störungsanfällig. Ein neuer Risikoimpuls kann die Nachfrage nach dem Franken als sicherem Hafen schnell wieder erhöhen.


Euro, Dollar und Franken wirken je nach Absatzmarkt unterschiedlich; eine einzige Gesamtsicht auf „Fremdwährung“ verdeckt wichtige Gegenpositionen.

Warum der Franken rasch die Richtung wechseln kann

Wechselkurse reagieren nicht nur auf die Schweizer Wirtschaft. Entscheidend sind auch die Zinsabstände zum Euroraum und zu den USA, Erwartungen an die Zentralbanken, Kapitalflüsse sowie politische Risiken. Selbst wenn die SNB ihren Leitzins unverändert lässt, können Aussagen der Europäischen Zentralbank oder der US-Notenbank den Franken bewegen. Dazu kommen Ereignisse, die in keinem Jahresbudget standen: Handelskonflikte, Energiepreissprünge, Wahlen oder Krisen an den Finanzmärkten.

Unternehmen sollten deshalb nicht mit einem einzigen Budgetkurs arbeiten, als wäre er eine Vorhersage. Zweckmässiger sind ein Basisszenario sowie ein stärkerer und ein schwächerer Franken. Die Abstände müssen zum Geschäftsmodell passen. Eine kleine Kursbewegung kann bei knappen Margen relevant sein, während ein Betrieb mit hoher Wertschöpfung in der Schweiz mehr Spielraum besitzt. Der Beitrag über Erwartungen Schweizer Firmen an die Devisenmärkte 2026 zeigt, wie unterschiedlich Unternehmen und Ökonomen die weitere Entwicklung einschätzen.



Betroffenheit zuerst in Franken sichtbar machen

Der erste praktische Schritt ist eine Währungsübersicht für die nächsten drei, sechs und zwölf Monate. Darin stehen erwartete Einnahmen und Ausgaben je Währung, bereits gestellte Rechnungen, offene Bestellungen, vertraglich zugesagte Zahlungen sowie voraussichtliche Zahlungstermine. Wichtig ist der Nettobetrag: Euro-Einnahmen können Euro-Ausgaben teilweise ausgleichen. Diese natürliche Absicherung reduziert das tatsächlich offene Risiko, ohne dass ein Finanzinstrument nötig ist.

Ebenso wichtig ist die zeitliche Zuordnung. Eine Euro-Forderung in 30 Tagen gleicht eine Euro-Lieferantenrechnung in neun Monaten nur unvollständig aus. Werden Beträge bloss pro Jahr saldiert, verschwinden Liquiditätsspitzen aus dem Blick. Eine rollierende Monatsübersicht zeigt, wann eine Währung fehlt oder überschüssig wird. Verantwortlich sollte eine klar bezeichnete Stelle sein, auch in kleinen Unternehmen. Sonst entscheiden Verkauf, Einkauf und Buchhaltung mit unterschiedlichen Kursannahmen.


Im grenzüberschreitenden Warenverkehr entstehen Währungsrisiken bereits zwischen Bestellung, Lieferung, Verzollung und endgültiger Zahlung.

Auswirkungen unterscheiden: Export, Import und Inland

Bei Exporteuren verteuert ein stärkerer Franken Schweizer Leistungen aus Sicht ausländischer Käufer, sofern in Franken fakturiert wird. Wird in Euro oder Dollar verkauft, sinkt beim Umtausch der Frankenwert des Umsatzes. Betroffen ist daher nicht nur der Absatz, sondern auch die Marge. Der Rückblick auf die Folgen der Dollarschwäche für Schweizer Exporteure verdeutlicht, weshalb Absatzwährung, Zölle und Kostenstruktur gemeinsam betrachtet werden müssen.

Importeure profitieren bei einem stärkeren Franken grundsätzlich von günstigeren Einkäufen in Fremdwährung. Dieser Vorteil kommt jedoch oft verzögert an. Lagerbestände wurden möglicherweise zu älteren Kursen gekauft, Lieferanten passen Preise nicht sofort an, und Transport- oder Energiekosten können den Währungseffekt überlagern. Bei einem schwächeren Franken kehrt sich der Effekt um. Auch reine Inlandbetriebe sind betroffen, wenn Vorprodukte, Software-Abonnemente, Energie oder Geräte in Euro oder Dollar bezahlt werden.



Offerten und Verträge mit klaren Kursregeln versehen

Bei längeren Bindungsfristen sollte eine Offerte den verwendeten Kalkulationskurs und ihre Gültigkeitsdauer nennen. Denkbar sind zudem Preisanpassungsklauseln, wenn ein klar definierter Referenzkurs eine festgelegte Schwelle über- oder unterschreitet. Solche Regeln müssen verständlich, symmetrisch und vertraglich sauber formuliert sein. Eine Klausel, die nur ungünstige Bewegungen weitergibt, kann Kundenbeziehungen belasten und rechtliche Fragen auslösen.

Hilfreich ist die Trennung zwischen Verkaufsentscheidung und Währungsentscheidung. Der Vertrieb legt Preis, Konditionen und Zahlungsziel nicht isoliert fest, wenn daraus ein bedeutendes Fremdwährungsrisiko entsteht. Einkauf, Finanzen und Geschäftsleitung benötigen gemeinsame Leitplanken: Welche Währungen werden akzeptiert? Ab welchem Betrag ist eine Freigabe nötig? Welcher Kurs gilt für die Kalkulation? Wie lange darf eine Offerte offenbleiben? So wird das Thema Teil des normalen Prozesses statt einer nachträglichen Reparatur.


Kursgrafiken liefern Orientierung, ersetzen aber keine interne Übersicht über Beträge, Fälligkeiten und betriebliche Schmerzgrenzen.

Absichern, ohne auf den Wechselkurs zu wetten

Ein Termingeschäft kann einen Wechselkurs für einen künftigen Zahlungszeitpunkt festlegen. Damit wird die Kalkulation planbarer, allerdings entfällt die Chance, von einer später günstigen Bewegung zu profitieren. Optionen schaffen mehr Flexibilität, verursachen aber in der Regel eine Prämie und sind komplexer. Welches Instrument passt, hängt von Betrag, Fälligkeit, Wahrscheinlichkeit des Grundgeschäfts und Risikotragfähigkeit ab. Beratung durch die Hausbank oder eine unabhängige Fachperson ist bei solchen Instrumenten sinnvoll.

Die Absicherungsquote muss nicht immer 100 Prozent betragen. Manche Betriebe sichern nur fest kontrahierte Zahlungen, andere zusätzlich einen Teil der sehr wahrscheinlichen Planung. Wichtig ist eine schriftliche Regel, die Spekulation verhindert. Ohne zugrunde liegendes Geschäft kann eine vermeintliche Absicherung selbst zum Risiko werden. Ebenso problematisch ist das ständige Verschieben einer Position in der Hoffnung auf einen besseren Kurs. Das bindet Aufmerksamkeit und kann Verluste vergrössern.


Für belastbare Entscheide zählt nicht der spektakulärste Tageskurs, sondern seine konkrete Wirkung auf Deckungsbeitrag, Budget und Liquidität.

Rechnungswesen, Steuern und Kurse nicht vermischen

Für die operative Kalkulation, die Verbuchung einer Transaktion, die Bewertung offener Posten und die Mehrwertsteuer können unterschiedliche Kursgrundlagen gelten. Diese Zwecke sollten nicht vermischt werden. Für die Schweizer Mehrwertsteuer veröffentlicht die Eidgenössische Steuerverwaltung offizielle Tages- und Monatsmittelkurse. In der Buchhaltung ist eine konsistente, dokumentierte Methode erforderlich; bei Unsicherheit gehört die konkrete Behandlung mit Treuhand oder Steuerberatung geklärt.

Kursdifferenzen sollten separat sichtbar bleiben. Wenn Umsatzabweichungen, Preisnachlässe und Währungseffekte auf demselben Konto landen, lässt sich kaum erkennen, ob ein Produkt operativ rentabel war. Eine einfache Abweichungsanalyse trennt Mengen-, Preis- und Wechselkurseffekt. So kann die Geschäftsleitung entscheiden, ob Preise angepasst, Zahlungsziele verkürzt, Beschaffung umgestellt oder Risiken abgesichert werden sollen.

Eine monatliche Routine für kleine und mittlere Betriebe

Ein praxistauglicher Währungsprozess muss nicht gross sein. Zum Monatsbeginn werden die offenen Positionen nach Währung und Fälligkeit aktualisiert. Danach werden die drei Szenarien neu gerechnet und mit den festgelegten Limiten verglichen. Bei einer Überschreitung folgt eine definierte Entscheidung: natürliche Gegenposition suchen, Zahlungszeitpunkt abstimmen, Preis oder Offertfrist prüfen oder eine Absicherung beurteilen. Der Entscheid und der verwendete Kurs werden kurz dokumentiert.

Zusätzlich sollte geprüft werden, ob Bankspesen und Wechselkursmargen zum Volumen passen. Der öffentlich sichtbare Marktkurs ist nicht automatisch der Abrechnungskurs. Gerade viele kleine Zahlungen können durch Gebühren und ungünstige Umrechnung teuer werden. Fremdwährungskonten können in bestimmten Fällen unnötige Umtauschvorgänge vermeiden, verursachen aber ebenfalls Kosten und lösen das Kursrisiko nicht von selbst.

Beschaffung und Preisgespräche vorausschauend führen

Währungsbewegungen eignen sich nicht als pauschale Begründung für jede Preisänderung. Im Einkauf sollte nachvollziehbar sein, welcher Anteil eines Angebots tatsächlich von Euro oder Dollar abhängt. Bei Schweizer Lieferanten können importierte Komponenten eine Rolle spielen, daneben aber auch Löhne, Lagerung und Transport. Ein stärkerer Franken senkt deshalb nicht automatisch den gesamten Bezugspreis. Umgekehrt rechtfertigt ein schwächerer Franken nur den währungsabhängigen Teil einer Kostensteigerung. Transparente Kalkulationsbausteine erleichtern sachliche Verhandlungen.

Bei wiederkehrenden Bestellungen können Preisfenster oder regelmässige Überprüfungszeitpunkte sinnvoller sein als laufende Einzelanpassungen. Dadurch wissen beide Vertragsparteien, wann und auf welcher Grundlage neu gerechnet wird. Für den Verkauf gilt dasselbe: Kunden akzeptieren Veränderungen eher, wenn Referenzkurs, Schwelle und Zeitpunkt vorab bekannt sind. Betriebe sollten dabei auch prüfen, wie Konkurrenten fakturieren. Eine Frankenrechnung überträgt das unmittelbare Kursrisiko auf ausländische Käufer, kann jedoch die eigene Offerte im Vergleich unattraktiver machen.

Frühwarnzeichen statt täglicher Alarmmodus

Nicht jeder Ausschlag verlangt eine Sitzung. Sinnvoll sind wenige Warnschwellen, die an betriebliche Folgen geknüpft sind. Ein Signal kann ausgelöst werden, wenn der erwartete Deckungsbeitrag eines grossen Auftrags unter eine festgelegte Grenze fällt, eine offene Währungsposition ein internes Limit überschreitet oder sich ein Kurs ausserhalb des Budgetkorridors bewegt. Damit konzentriert sich die Organisation auf relevante Veränderungen und reagiert nicht auf jedes Marktgeräusch.

Die Schwellen sollten mindestens jährlich sowie bei grösseren Änderungen des Geschäftsmodells überprüft werden. Neue Absatzländer, ein anderer Lieferant, längere Zahlungsziele oder deutlich höhere Auftragswerte verändern das Risiko oft stärker als eine kleine Kursverschiebung. Auch historische Daten helfen: Ein Rückblick auf die vergangenen zwölf bis 24 Monate zeigt, welche Positionen tatsächlich Verluste oder Gewinne erzeugten. Aus dieser Erfahrung lassen sich realistische Limiten ableiten, ohne den letzten Extremwert zum neuen Normalfall zu erklären.

Was jetzt konkret auf die Aufgabenliste gehört

Aktuell besteht kein Anlass, allein wegen einer einzelnen Kursbewegung sämtliche Preise oder Verträge umzubauen. Sinnvoll ist eine nüchterne Prüfung der grössten offenen Positionen. Priorität haben Geschäfte mit langer Bindungsdauer, dünner Marge, hohen Fremdwährungsbeträgen oder unklarer Preisgleitregel. Dort kann bereits eine moderate Veränderung des Frankens die geplante Rentabilität spürbar verschieben.

Der Schweizer Franken wird damit nicht nur dann zum Thema, wenn er Rekordwerte erreicht. Er gehört als wiederkehrender Einfluss in Verkauf, Einkauf, Liquiditätsplanung und Rechnungswesen. Wer Expositionen kennt, Zuständigkeiten festlegt und Reaktionen vorab definiert, muss den nächsten Kursausschlag nicht erraten. Der praktische Vorteil liegt in der Handlungsfähigkeit: Überraschungen werden kleiner, Entscheide nachvollziehbarer und Margen besser geschützt.

 

Bildquellen: Titelbild: Depositphotos/Mehaniq; Bild 1: Depositphotos/Efetova; Bild 2: Depositphotos/ShutterDin; Bild 3: Depositphotos/peshkova; Bild 4: Depositphotos/seemantaduttaskv@g




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