Schweizer Gäste drehen den Trend: Hotellerie beendet viermonatige Talfahrt
von belmedia Redaktion Business business24.ch businessaktuell.ch hotelaktuell.ch Hotellerie Hotels Magazine Management nachrichtenticker.ch News Orte Reisen & Ausflüge reiseziele.ch Schweiz Service Themen tourismus.ch Verbreitung
Nach vier Monaten mit rückläufigen Übernachtungszahlen schafft die Schweizer Hotellerie im Juli 2026 die Wende: Rund fünf Millionen Logiernächte bedeuten ein Plus von 0,5 Prozent. Den Ausschlag gaben Gäste aus der Schweiz.
Während die Inlandsnachfrage deutlich zunahm, blieben wichtige ausländische Herkunftsmärkte schwächer. Die neuen Zahlen zeigen deshalb nicht nur eine Erholung, sondern auch, wie stark sich die Zusammensetzung der Gäste derzeit verändert.
Auf den ersten Blick wirkt ein Wachstum von 0,5 Prozent unspektakulär. Im grösseren Zusammenhang ist der Juli aber bemerkenswert: Von März bis Juni waren die Logiernächte jeweils unter dem Stand des entsprechenden Vorjahresmonats geblieben. Nun ist diese viermonatige Negativserie vorerst beendet.
Nach den am 4. September veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistik wurden im Juli rund 5,0 Millionen Übernachtungen in Schweizer Hotels gezählt. Das leichte Gesamtplus entstand allerdings aus zwei sehr unterschiedlichen Entwicklungen.
Die wichtigsten Juli-Zahlen auf einen Blick
- 5,0 Millionen Logiernächte verzeichnete die Schweizer Hotellerie im Juli 2026.
- 0,5 Prozent mehr Übernachtungen wurden gegenüber Juli 2025 registriert.
- 2,3 Millionen Logiernächte entfielen auf Gäste aus der Schweiz – ein Zuwachs von 3,9 Prozent.
- 2,6 Millionen Logiernächte gingen auf ausländische Gäste zurück – 2,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
- 25,3 Millionen Übernachtungen wurden von Januar bis Juli gezählt – 0,5 Prozent weniger als in der gleichen Periode 2025.
Schweizer Gäste bringen die Hotels zurück ins Plus
Das entscheidende Signal kommt aus dem Inland. Die Übernachtungen von Gästen aus der Schweiz stiegen im Juli um 3,9 Prozent auf 2,3 Millionen. Dieses Wachstum war stark genug, um den Rückgang bei den ausländischen Gästen auszugleichen.
Damit bestätigt sich ein Muster, das Branchenbeobachter bereits für den Sommer erwartet hatten: Ferien und Kurzaufenthalte im eigenen Land bleiben eine wichtige Stütze der Schweizer Hotellerie. Die Statistik zeigt allerdings nur, woher die Gäste kommen und wie viele Nächte sie buchen. Weshalb sie sich für einen Aufenthalt entschieden haben, lässt sich daraus nicht direkt ablesen.
Auch darf die Zahl von fünf Millionen nicht mit dem gesamten Schweizer Beherbergungsmarkt gleichgesetzt werden. Ferienwohnungen, Campingplätze, Jugendherbergen und andere Formen der Parahotellerie werden in separaten Statistiken erfasst.
Deutschland und Frankreich legen zu
Bei den ausländischen Gästen zeigt sich kein einheitliches Bild. Aus Deutschland, dem zweitgrössten ausländischen Herkunftsmarkt, wurden knapp 425’000 Logiernächte gezählt. Das entspricht einem Plus von 5,0 Prozent gegenüber Juli 2025.
Auch Frankreich entwickelte sich positiv. Die Übernachtungen französischer Gäste nahmen um 2,0 Prozent zu. Aus den USA blieb die Nachfrage beinahe stabil: Mit knapp 501’000 Logiernächten ergab sich ein leichtes Plus von 0,4 Prozent.
Diese Zahlen sind für die Schweizer Hotellerie wichtig, weil sie zeigen, dass der Rückgang aus dem Ausland nicht alle Märkte betrifft. Gäste aus nahe gelegenen europäischen Ländern und aus den USA sorgten weiterhin für eine solide Nachfrage.
Deutliche Rückgänge aus Grossbritannien und Asien
Schwächer verlief der Juli in mehreren anderen Herkunftsmärkten. Die Übernachtungen von Gästen aus Grossbritannien gingen um 20,6 Prozent zurück. Bei Indien betrug das Minus 17,2 Prozent, bei China 10,3 Prozent. Auch aus den Golfstaaten und aus Südostasien kamen weniger Gäste.
Die Unterschiede müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Monatswerte können durch Flugverbindungen, Ferienkalender, Wechselkurse, Grossveranstaltungen und die aussergewöhnlich hohe Vergleichsbasis des Vorjahres beeinflusst werden. Gerade bei einzelnen Fernmärkten können bereits veränderte Reiserouten oder weniger verfügbare Flüge deutliche Spuren in der Statistik hinterlassen.
Die Saisonprognose rechnete mit genau diesem Muster
BAK Economics erwartete in der im Mai veröffentlichten Tourismusprognose für die Sommersaison 2026 insgesamt 24,9 Millionen Logiernächte. Das wären 1,0 Prozent weniger als im Sommer 2025. Für die Nachfrage aus der Schweiz wurde dagegen ein Wachstum von 0,5 Prozent prognostiziert, während bei den Fernmärkten ein Rückgang von 3,7 Prozent erwartet wurde.
Der Juli passt in seiner Grundrichtung auffallend gut zu dieser Einschätzung: Das Inland wächst, mehrere Fernmärkte verlieren und der Gesamtmarkt bewegt sich nur wenig. Dennoch wäre es verfrüht, aus einem einzigen Monat bereits eine neue Entwicklung für die ganze Saison abzuleiten.
Der Sommer 2025 war zudem aussergewöhnlich stark. Mehrere Grossveranstaltungen sorgten für zusätzliche Reisen in die Schweiz. Solche Sondereffekte machen den Vergleich für einzelne Länder schwieriger und erklären einen Teil der auffälligen Unterschiede.
Warum ein landesweites Plus nicht für jedes Hotel gilt
Eine nationale Veränderung von 0,5 Prozent sagt wenig darüber aus, wie gut ein bestimmtes Hotel ausgelastet war. Stadthotels, Bergbetriebe, Ferienresorts und Geschäftshotels bedienen unterschiedliche Gästegruppen. Auch zwischen den Regionen kann sich die Nachfrage deutlich unterscheiden.
Für die Betriebe wird deshalb nicht allein die Zahl der Übernachtungen entscheidend sein. Ebenso wichtig sind Zimmerpreise, Aufenthaltsdauer, Buchungskanäle, Personalkosten und die Auslastung ausserhalb der gefragten Wochenenden. Wie Schweizer Hotels auf diese Herausforderungen reagieren und welche Rolle digitale Angebote spielen, zeigt der Beitrag «Schweizer Hotellerie blickt optimistisch in die Zukunft und setzt auf Digitalisierung».
Was Feriengäste aus den Zahlen ableiten können
Das leichte Gesamtplus bedeutet nicht automatisch, dass überall Zimmer knapp oder teuer sind. Ebenso wenig lässt der Rückgang bei ausländischen Gästen den Schluss zu, dass Unterkünfte flächendeckend günstiger geworden sind. Die landesweite Statistik bildet Tausende Betriebe und sehr unterschiedliche Destinationen gemeinsam ab.
Wer einen Aufenthalt plant, sollte deshalb die gewünschte Region und den konkreten Reisezeitraum prüfen. In bekannten Bergdestinationen können Wochenenden stark gefragt sein, während unter der Woche oder in weniger bekannten Orten mehr Auswahl besteht. Auch Stornierungsbedingungen und enthaltene Leistungen sollten beim Preisvergleich berücksichtigt werden.
Wer Naturerlebnisse mit einer komfortablen Unterkunft verbinden möchte, findet im Ratgeber «Wandern mit Komfort: Welche Regionen Hotellerie und Natur ideal kombinieren» passende Anregungen für Ferien und kürzere Auszeiten.
Die Schweiz setzt auf Nähe und echte Erlebnisse
Die stärkere Nachfrage aus dem Inland zeigt, dass Ferien im eigenen Land weiterhin ihren Platz haben. Kurze Anreisewege, bekannte Verkehrsverbindungen und die Verbindung von Landschaft, Hotellerie und regionalen Angeboten machen spontane Aufenthalte vergleichsweise unkompliziert.
Wie Schweiz Tourismus das Ferienland aktuell präsentiert, zeigt das folgende Video. Es dient der Inspiration und ist keine Grundlage der genannten Übernachtungszahlen.
Was die Juli-Zahlen wirklich erkennen lassen
Der Juli ist ein ermutigendes Signal, aber noch keine endgültige Trendwende. Von Januar bis Juli wurden insgesamt 25,3 Millionen Logiernächte registriert. Das waren 0,5 Prozent weniger als in der gleichen Periode des Vorjahres.
Auch über sieben Monate bleibt die Entwicklung geteilt: Die Übernachtungen von Schweizer Gästen stiegen um 1,3 Prozent, jene der ausländischen Gäste sanken um 2,1 Prozent. Der Inlandtourismus stabilisiert den Markt, kann die schwächere Nachfrage aus dem Ausland bisher aber nicht vollständig aufheben.
Entscheidend werden nun die Zahlen für August und September. Bestätigt sich das Juli-Plus, könnte sich die Sommersaison besser entwickeln als nach dem schwachen Frühjahr befürchtet. Bleiben wichtige Fernmärkte zurückhaltend, dürfte das Ergebnis jedoch trotz robuster Inlandsnachfrage knapp unter dem starken Vorjahr liegen.
Quellen: Bundesamt für Statistik (BFS), htr hotelrevue, BAK Economics/SECO
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