Homeoffice ohne Klimaanlage: An heissen Sommertagen einen kühlen Kopf bewahren
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Arbeitswelt Ausbildung & Studium Beruf Beschäftigung Betrieb Betrieb Bildung & Arbeit Business Business business24.ch businessaktuell.ch Essen & Trinken Gesundheit Getränke Haus Haus, Garten & Einrichtung Homeoffice hometipp.ch Immobilien Jahreszeiten Karriere Magazine nachrichtenticker.ch Personal Regionen Schweiz Sommer Strategie Themen Unternehmen Verbreitung Vital Wirtschaft Wohnen wohnenaktuell.ch Wohnräume xund24.ch
Halb acht, der Laptop läuft, das Fenster ist schon seit einer Stunde geschlossen – und trotzdem klettert das Thermometer im Arbeitszimmer unaufhörlich. Wer im Homeoffice keine Klimaanlage hat, kämpft an warmen Sommertagen auf zwei Fronten gleichzeitig: gegen die Wärme und gegen sinkende Konzentration. Beides lässt sich mit den richtigen Massnahmen spürbar in den Griff bekommen.
Im Homeoffice ist man in Sachen Raumtemperatur weitgehend auf sich selbst gestellt. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) gilt im Homeoffice der Grundsatz, dass man selbst für ein angemessenes Arbeitsklima verantwortlich ist – anders als im Büro, wo der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht hat. Wer also ohne Klimaanlage arbeitet, braucht keine Beschwerde beim Arbeitsinspektorat, sondern einen guten Plan.
Der wichtigste Hebel: Was man abends und morgens tut
Das Raumklima am Nachmittag entscheidet sich morgens um sechs Uhr. Am besten lüftet man früh morgens oder spät abends, wenn die Luft noch oder wieder angenehm kühl ist. Das Prinzip: In der Nacht und in den frühen Morgenstunden abkühlen lassen, danach Fenster und Storen schliessen, bevor die Sonne die Fassade trifft. Ein Querlüften – Fenster auf beiden Seiten der Wohnung gleichzeitig öffnen – ist dabei deutlich wirksamer als ein einzelnes Kipfenster. Wer diesen Rhythmus konsequent einhält, kann die Raumtemperatur über den Tag hinweg um mehrere Grad tiefer halten als jemand, der um zehn Uhr morgens die Fenster öffnet, wenn die Wärme von draussen längst reingedrückt werden will.
Sonnenschutz: Das Wichtigste kommt von aussen
Innen verdunkeln bringt etwas, aussen abdunkeln bringt mehr. Rollladen, Storen und Markisen, die ausserhalb des Fensters angebracht sind, verhindern, dass die Sonnenenergie erst durch das Glas in den Raum gelangt und sich dort in Wärme umwandelt. Innen angebrachte Vorhänge oder Raffstoren halten immerhin einen Teil der Sonnenstrahlung ab, aber die Wärme ist zu diesem Zeitpunkt bereits drin. Helle Farben beim Sonnenschutz reflektieren die Wärme nach draussen und halten die Räume automatisch kühler als dunkler Sonnenschutz am Fenster. Wer keine festen Storen hat, kann mit Folien arbeiten, die sich direkt auf das Glas kleben lassen und die Sonneneinstrahlung reduzieren, ohne den Raum vollständig zu verdunkeln.
Wärmequellen im Raum reduzieren
Ein oft unterschätzter Punkt: Elektronische Geräte heizen den Raum mit. Ein Desktop-Computer produziert deutlich mehr Abwärme als ein Laptop. Mehrere Bildschirme, ein Drucker im Standby, eine Spielkonsole und ein Lautsprecher summieren sich auf. Wer nicht benötigte Geräte aussteckt oder zumindest nicht im Standby laufen lässt, hält den Raum messbar kühler. Auch das Kochen über Mittag heizt die Wohnung auf – an besonders warmen Tagen empfiehlt es sich, kalte Speisen zuzubereiten oder erst in den Abendstunden zu kochen.
Ventilator richtig einsetzen
Ein Ventilator kühlt die Luft nicht, er bewegt sie – und bewegte Luft fühlt sich kühler an, weil sie die Verdunstung auf der Haut unterstützt. Das ist ein echter Effekt, kein Placebo. Optimal eingesetzt wird der Ventilator nachts zum Abkühlen des Raums auf den Boden gestellt und auf ein offenes Fenster gerichtet, um kühle Aussenluft einzuziehen. Tagsüber, wenn die Aussentemperatur höher ist als die Raumtemperatur, lieber schliessen und den Ventilator zur Luftbewegung nutzen. Ein Mini-Verdunstungskühler oder ein USB-Ventilator direkt am Schreibtisch ist ideal fürs Homeoffice – kompakt und wirkungsvoll für den unmittelbaren Arbeitsbereich. Achtung: Nasse Tücher über dem Ventilator erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Im Schweizer Sommer, der oft schon schwül ist, kann das nach hinten losgehen – Schimmelgefahr ist ab 60 Prozent Luftfeuchtigkeit ein reales Risiko.
Den Arbeitsrhythmus anpassen
Wer flexible Arbeitszeiten hat, nutzt sie. Die kühleren Morgenstunden eignen sich für anspruchsvolle Aufgaben, die viel Konzentration erfordern. Nachmittags, wenn die Wärme zunimmt, lassen sich Routinearbeiten oder weniger anstrengende Tätigkeiten einplanen. Wer frühzeitig startet, spart zudem den Arbeitsweg in der Mittagswärme. Laut Forschung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nimmt die Leistungsbereitschaft bei Innentemperaturen um 30 Grad spürbar ab – wer die produktivsten Stunden in der kühlen Tageszeit nutzt, verliert weniger davon. Meetings und Calls lassen sich ebenfalls in den Vormittag legen; kurze, effiziente Besprechungen im Sommer sind angenehmer als lange Videokonferenzen am Nachmittag.
Video-Tipp: 5 Tipps – Wohnung kühl halten ohne Klimaanlage
Der SWR Ökochecker prüft fünf der bekanntesten Kühltipps auf ihren tatsächlichen Effekt – und räumt dabei auch mit ein paar Mythen auf.
Trinken – mehr als man denkt
Bei warmen Temperaturen verliert der Körper über die Haut deutlich mehr Flüssigkeit als gewohnt. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt, dass Büroarbeiter an warmen Sommertagen innerhalb von acht Stunden rund einen Liter mehr als üblich trinken müssen, um den Verlust auszugleichen. Die Faustregel: Bei warmer Witterung rund zwei bis drei Liter Wasser über den Tag verteilt. Wasser und ungesüsster Kräutertee sind die beste Wahl. Kaffee und energiereiche Getränke belasten den Kreislauf, wenn er ohnehin schon unter Wärmebelastung steht. Eine grosse Karaffe direkt auf dem Schreibtisch – sichtbar und griffbereit – hilft dabei, das Trinken nicht zu vergessen.
Kleidung und Körper
Im Homeoffice entfällt der Dresscode. Das ist ein echter Vorteil: Luftige Leinenhosen, ein lockeres Baumwollshirt und offene Schuhe erlauben dem Körper, Wärme besser abzugeben als eng anliegende Synthetikkleidung. Wer zwischendurch die Unterarme kurz unter kaltes Wasser hält und sie dann nicht abtrocknet, profitiert von der Verdunstungskälte – ein einfacher, aber wirksamer Trick. Ein feuchtes Tuch im Nacken hat denselben Effekt. Wärmflaschen mit kaltem Wasser (niemals einfrieren – das macht den Gummi porös) oder eine Schüssel mit kühlem Wasser für die Füsse sind weitere Varianten, die ohne Strom auskommen.
Was gilt rechtlich im Homeoffice?
In der Schweiz gibt es keine gesetzlich festgelegte Höchsttemperatur für Arbeitsräume. Für sitzende, geistige Tätigkeiten empfehlen SECO und Suva Temperaturen zwischen 21 und 23 Grad als ideal. Bei warmem Wetter sollte die Raumtemperatur maximal bei 26 Grad liegen. Im Homeoffice – ausser bei vertraglich geregelter Telearbeit – liegt die Verantwortung für das Raumklima grundsätzlich beim Arbeitnehmenden selbst. Wer trotz warmer Temperaturen lieber zu Hause bleibt als ins (vielleicht klimatisierte) Büro zu gehen, hat keinen automatischen Rechtsanspruch darauf – das hängt vom Arbeitsvertrag und den betrieblichen Regeln ab.
Fazit
Das Homeoffice ohne Klimaanlage ist im Schweizer Sommer keine Selbstverständlichkeit mehr – aber es lässt sich mit ein paar konsequenten Massnahmen erträglich gestalten. Wer morgens früh lüftet, Storen schliesst bevor die Sonne kommt, unnötige Wärmequellen aussteckt und seine anspruchsvollsten Aufgaben in den Vormittag legt, kann auch an warmen Tagen produktiv arbeiten. Der Unterschied liegt meist nicht in teurem Gerät, sondern in einem durchdachten Tagesablauf.
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