AI Governance Gaps: New Report Warns of Overlooked Environmental Impact
The Thomson Reuters Foundation hat die ersten Ergebnisse ihrer AI Company Data Initiative (AICDI) veröffentlicht – der bislang größten Datenerhebung zu Offenlegungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Gemeinsam mit der UNESCO entwickelt, analysierte die Studie die Governance-Strukturen von 1’000 Unternehmen aus 13 Branchen und zeigt deutliche Unterschiede zwischen dem Einsatz und der Kontrolle von KI-Systemen.
Die Resultate offenbaren eine klare Diskrepanz zwischen der Geschwindigkeit, mit der KI eingeführt wird, und der Sorgfalt, mit der ihre Risiken überwacht werden. Unternehmen implementieren KI deutlich schneller, als sie ihre Governance-Systeme anpassen.
Ein weiterer kritischer Punkt: 97 Prozent der Unternehmen haben keine Bewertung der ökologischen Auswirkungen ihrer KI-Systeme vorgenommen – einschließlich Energieverbrauch und CO₂-Fußabdruck. Während viele Firmen Begriffe wie „ethisch“, „sicher“ oder „verantwortungsvoll“ verwenden, ziehen nur wenige einen Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und ihrem Energiebedarf oder den Klimazielen.
Fehlende Energie- und Umweltbewertung
Nach Angaben von Exergio, einem Unternehmen für Energieeffizienz im Immobiliensektor, sollten Firmen die Einführung von KI-Systemen nicht nur aus Governance-Perspektive prüfen, sondern auch im Hinblick auf deren Auswirkungen auf Energieverbrauch und Ressourceneffizienz.
„Viele Menschen glauben, KI verbrauche zwangsläufig viel Energie, doch das ist ein Irrtum. Es gibt Systeme, die das Gegenteil bewirken – etwa intelligente Gebäudeautomationen, die Heiz- und Kühlbedarf senken“, erklärt Donatas Karčiauskas, CEO von Exergio.
Gerade in Branchen mit großen physischen Anlagen – etwa in der Immobilienwirtschaft – könne mangelhaft gesteuerte KI nicht nur regulatorische Risiken erhöhen, sondern auch unbemerkt erhebliche Energiemengen verschwenden.
Governance bleibt oft Papierübung
Der Bericht zeigt auch, dass 76 Prozent der Unternehmen mit einer KI-Strategie angeben, dass diese auf Managementebene überwacht wird. Doch nur 41 Prozent machen ihre Richtlinien für Mitarbeitende zugänglich oder verlangen deren Kenntnisnahme.
Karčiauskas sieht darin ein Symptom falscher Prioritäten: „Wenn man nicht misst, was KI im laufenden Betrieb bewirkt, ist Governance reine Theorie. In Gebäuden bedeutet das, zu wissen, wann Systeme anspringen, wie viel Strom sie ziehen und welche Effekte sich tatsächlich ergeben. Ohne operative Daten bleibt Governance ein Papiersystem.“
Besonders im Bereich des Gebäudemanagements könne KI einen positiven Beitrag leisten, wenn sie richtig eingesetzt werde: Sie kann Lastspitzen glätten, Heiz- und Kühlsysteme effizienter steuern und gleichzeitiges Einschalten mehrerer Geräte vermeiden.
Europa als Vorreiter mit Lücken
Laut AICDI veröffentlichen Unternehmen in der EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) besonders häufig eigene KI-Strategien – 53 Prozent haben eine solche formuliert. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den EU AI Act. Dennoch bleibt die ökologische Dimension auch in Europa unterrepräsentiert.
„Europa ist zwar führend bei der Regulierung, aber selbst hier fehlt meist die Auseinandersetzung mit der Energiebilanz von KI. Wenn der EU AI Act weiterentwickelt wird, muss auch die operative Transparenz dazugehören – etwa, wie viel Energie KI verbraucht oder einspart“, betont Karčiauskas.
Ohne diese Informationen bleibe „verantwortungsvolle KI“ häufig ein theoretisches Konzept, das reale Energieverbräuche und Emissionen außen vor lässt.
Fazit: Verantwortung braucht Messbarkeit
Die AI Company Data Initiative zeigt, dass viele Unternehmen erst beginnen, die tatsächlichen Auswirkungen ihrer KI-Systeme zu verstehen. Während Governance-Strukturen entstehen, fehlen operative Messdaten zu Energieverbrauch, Emissionen und Ressourceneffizienz.
Damit KI als verantwortungsvoll gelten kann, muss sie messbar nachhaltiger werden – nicht nur auf dem Papier, sondern im täglichen Betrieb. Nur so lässt sich nachvollziehen, ob sie zu den Unternehmenszielen beiträgt oder ihnen entgegenwirkt.
Quelle: EXERGIO / Thomson Reuters Foundation / AICDI
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