US-Automarkt 2025: Nachfrage trotzt Shutdown, Trends bei Verbrennern und EVs
Der anhaltende Regierungsstillstand in den USA hat erhebliche Hürden für Ökonomen und Analysten geschaffen, die auf aktuelle staatliche Daten angewiesen sind.
Dies betrifft besonders den Automobilsektor, in dem das Verständnis von Nachfrage- und Angebotsentwicklung bei Motorfahrzeugen verlässliche und zeitnahe Statistiken von Behörden wie dem Bureau of Economic Analysis (BEA) und dem U.S. Census Bureau erfordert.
Offizielle Daten: Starke Signale bis August
Die jüngsten BEA-Daten für August 2025 schätzen den Absatz von leichten Motorfahrzeugen auf 16.4 Millionen Einheiten im saisonbereinigten Jahreswert (SAAR). Das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber 15.4 Millionen Einheiten im August 2024 und zeigt eine weiterhin robuste Konsumentennachfrage in einer sich stabilisierenden Wirtschaft.
Der Advance Retail Sales Report des U.S. Census Bureau bestätigt dieses Bild: Die Umsätze von Händlern für Motorfahrzeuge und Teile stiegen im August um 0.5 % gegenüber dem Vormonat und um 5.6 % im Jahresvergleich. Der Automobilsektor bleibt damit ein zentraler Treiber der Einzelhandelsentwicklung. Motorfahrzeuge und Teile sind zudem ein wichtiger Absatzmarkt für die Kunststoffindustrie; Kunststoffe machen mehr als ein Drittel der über 30’000 Bauteile eines typischen Automobils aus. 2024 erreichte der Wert der verwendeten Kunststoffe in Automobilen und leichten Lastwagen 24.9 Milliarden US-Dollar.
Der Industrial Production Index der Federal Reserve für Motorfahrzeuge und Teile blieb aufgrund des Shutdowns auf dem Stand von August eingefroren. In diesem Monat hatte die Produktion gegenüber Juli um 2.6 % zugelegt und lag 1.1 % über dem Vorjahr.
Lückenfüller: Branchen schätzen September und Oktober
Da staatliche Updates ausstehen, greifen Branchenquellen wie Automotive News, S&P Global und Wards Intelligence auf eigene Datensätze zurück.
September 2025: Automotive News meldete 16.6 Millionen Einheiten SAAR, ein Plus von 5.0 % gegenüber September 2024. Das Research and Data Center von Automotive News kam auf 16.4 Millionen Einheiten SAAR, ebenfalls ein Zuwachs von 5.0 %. Der Anstieg wurde stark durch vorgezogene Käufe elektrischer Fahrzeuge ausgelöst, bevor die bundesstaatliche Steuergutschrift von 7’500 US-Dollar am 30. September 2025 auslief. Die Verkäufe elektrischer Fahrzeuge stiegen im September um 25 %.
Oktober 2025: Hier kehrte sich der Trend um. Automotive News schätzte den Absatz auf 15.5 Millionen Einheiten SAAR. Weitere Frühschätzungen lagen leicht abweichend: S&P Global bei 15.6 Millionen Einheiten (0.6 % unter dem Vorjahr) und Wards Intelligence bei 15.9 Millionen Einheiten (1.3 % über dem Vorjahr). Der Rückgang ging vor allem auf einen Einbruch der EV-Verkäufe um 11 % zurück, nachdem der Steueranreiz ausgelaufen war und Käufer neue Fördermassnahmen abwarteten. Auch Flottenkäufe gingen zurück: auf 22 % der Verkäufe im Oktober, nach 25 % im September. GM verzeichnete einen Rückgang der Flottenverkäufe von 18 %, Stellantis von 14 %.
Diese Dynamik zeigt, wie politische Vorgaben Nachfragespitzen und anschliessende Einbrüche erzeugen können.
Historischer Vergleich: Fahrzeugmontagen als Konjunkturmassstab
Die Produktionsseite zeigt weiterhin Stabilität. In fünf der letzten sechs Rezessionen in den USA fielen die jährlichen Montagen von Motorfahrzeugen unter 10 Millionen Einheiten. Aktuell liegen sie bei über 10.3 Millionen Einheiten und damit deutlich über der Schwelle, die üblicherweise auf eine Rezession hinweist.
Gründe für Optimismus
Trotz Datenlücken und der Abschwächung im Oktober sprechen mehrere Faktoren für eine positive Entwicklung im US-Automarkt. Ein stabiler Arbeitsmarkt, gesunkene Zinsen und moderate Preissteigerungen trotz Zöllen stützen die Nachfrage nach leichten Motorfahrzeugen.
Der Beschäftigungsaufbau hat sich zwar verlangsamt, bleibt aber solide. Zwischen der Arbeitslosenquote und den Verkäufen leichter Motorfahrzeuge besteht ein starker negativer Zusammenhang von -0.69 (Monatsdaten von März 1973 bis August 2025). Sinkende Arbeitslosigkeit stärkt das Konsumentenvertrauen und fördert Fahrzeugkäufe.
Jüngste Zinssenkungen der Federal Reserve haben die Finanzierungskosten bereits reduziert. Weitere Senkungen im Jahr 2026 werden erwartet.
Trotz erhöhter Importzölle sind die Preise weniger stark gestiegen als befürchtet. Der Verbraucherpreisindex für neue Fahrzeuge lag im September 2025 nur 0.8 % über dem Vorjahr. Die Importe von Motorfahrzeugen und Teilen stammen zu 93.6 % aus zehn Ländern; Mexiko und Kanada deckten zusammen 55.7 % der Teileimporte 2024 ab und liefern bei Erfüllung der Kriterien zollfrei. Neue Handelsverhandlungen senkten zudem Zölle für andere wichtige Lieferländer wie Japan (8.5 % der Teile).
Die US-Wirtschaft bleibt trotz des Shutdowns eine stabile Grundlage für die Fahrzeugnachfrage. Sobald staatliche Daten wieder aktualisiert werden, dürften die Branchenschätzungen bestätigt werden.
Quelle: PLASTICS Industry Association
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