US-Leitzinssenkung erwartet: Fed zwischen Inflation und Arbeitsmarkt
Die US-Notenbank Fed dürfte nächste Woche erstmals im Jahr 2025 die Zinsen senken – ein entscheidender Moment für Wirtschaft und Börsen.
Nach einer langen Pause steht am 18. September eine historische Entscheidung bevor: Die US-Notenbank Fed wird aller Voraussicht nach ihren Leitzins erstmals in diesem Jahr senken.
Die Zinssenkung ist mehr als ein geldpolitischer Routineakt. Seit Jahrzehnten gilt die Fed als wichtigste Institution zur Wahrung globaler Preisstabilität. Besonders in Zeiten erhöhter Unsicherheit beobachten Märkte jedes Signal der US-Währungshüter mit grösster Aufmerksamkeit. Während die Inflation nach den Preisschüben der Jahre 2021 und 2022 inzwischen deutlich zurückgegangen ist, stagniert sie aktuell: Im August 2025 lag die Teuerungsrate bei 2,9 %, die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) bei 3,1 %.
Zwar ist die Inflationsdynamik gebremst, doch die Preisentwicklung bleibt volatil. Neue Zölle und geopolitische Spannungen könnten zusätzliche Preisimpulse bringen. Laut Berechnungen liegt das US-Preisniveau derzeit rund 10 % über dem ursprünglichen Zielpfad.
Heikle Gratwanderung: Preisstabilität vs. Beschäftigung
Die Fed unterliegt einem dualen Mandat: Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Der Arbeitsmarkt zeigt erste Schwächen – die Jobzuwächse sind rückläufig, frühere Zahlen wurden korrigiert. Die Arbeitslosenquote verharrt zwar auf niedrigem Niveau, doch Lohnzuwächse über dem Vorkrisentrend könnten den Preisdruck aufrechterhalten.
Ein zentrales Risiko: Wiederholt sich das Szenario der 1970er-Jahre? Damals hatte die Fed nach einer ersten Inflationswelle zu früh gelockert – es folgte ein zweiter Schub. Viele Analysten mahnen daher zur Vorsicht.
Politischer Druck auf die Notenbank
Donald Trump verschärfte jüngst seine Kritik an der Fed – ein Eingriff, der die Unabhängigkeit der Institution in Frage stellt. Die Fed steht vor der Herausforderung, trotz politischer Einflussnahme ihre Glaubwürdigkeit zu bewahren. Eine zunehmende Politisierung könnte die Inflationserwartungen destabilisieren und Risikoaufschläge auf US-Staatsanleihen erhöhen.
US-Börsen und Tech-Werte besonders betroffen
Der US-Aktienmarkt – besonders der technologielastige Nasdaq – reagiert extrem sensibel auf Zinsveränderungen. Wachstumsunternehmen, deren Gewinne in der Zukunft liegen, sind stark von Zinssätzen abhängig. Höhere Zinsen drücken ihre Bewertung, Zinssenkungen wirken dagegen wie ein Turbo. Mit einer anstehenden Lockerung könnten Tech-Werte erneut zulegen – sofern keine negativen Überraschungen bei der Inflation folgen.
Quelle: GREGOR COMMUNICATIONS | St.Galler Kantonalbank
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